Zwangskrankheiten- Wenn das Leben von Zwängen bestimmt wird
Habe ich den Herd wirklich ausgeschaltet? Sind die Fenster auch alle geschlossen und habe ich die Balkontüre nicht vergessen? Das sind alles Fragen, die sich der ein oder andere bereits in seinem Leben gestellt hat. Im Normalfall überdenkt man seine letzten Schritte bevor man die Wohnung verlassen hat und kommt zu dem Ergebnis alle nötigen Vorkehrungen getroffen zu haben. Ist man sich dessen unsicher, so geht man zurück in die Wohnung und kontrolliert ob der Herd wirklich aus ist und ob Balkontür und Fenster tatsächlich verschlossen sind. Soweit scheint alles unauffällig zu sein. Problematisch wird es allerdings, wenn beispielsweise der Gedanke daran den Herd eventuell angelassen zu haben das Leben dermaßen bestimmt, das die betreffende Person dies nicht nur einmal, sondern viele Male überprüfen muss, bevor sie in der Lage ist die Wohnung zu verlassen.
In solch einer Situation spricht man von einem so genannten zwanghaften Verhalten. Im schlimmsten Fall ist der Kontrollzwang so stark ausgeprägt das der betroffene Mensch einem normalen Tagesablauf nicht mehr nachgehen kann und sich vollständig von der Außenwelt isoliert.
Wann spricht man von einer Marotte und wann von einem Zwang?
Im Prinzip ist jeder Mensch täglich bestimmten Zwängen unterworfen, damit ein reibungsloser Ablauf unseres sozialen Lebens gewährleistet werden kann. Wir müssen morgens aufstehen und zu einer bestimmten Zeit auf der Arbeit erscheinen. In der Straßenbahn müssen wir ein Ticket ziehen um mit der Bahn fahren zu dürfen und betreten wir einen Raum voller Menschen, so erwartet man von uns zu grüßen. Man spricht hier auch von sozialen Zwängen, also Normen, die in bestimmten Gesellschaften allgemein gültig sind und deren Einhaltung uns anerzogen wird.
Der Übergang zwischen einem normalen und einem zwanghaften Verhalten erfolgt üblicherweise sehr fließend. Geht man öfter zurück in die Wohnung um zu kontrollieren ob der Herd auch wirklich ausgeschaltet ist, so kann dies bereits als Kontrollzwang bezeichnet werden. Solange diese Angewohnheit das Leben jedoch nicht sonderlich beeinflusst, ist der Zwang auch nicht stark ausgeprägt. Je stärker ein Verhalten jedoch von einem üblichen Verhalten abweicht, so lässt die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen verlauten, und je mehr dieses Verhalten das alltägliche Leben behindert, umso eher kann von einer wirklich ernstzunehmenden Störung gesprochen werden.
Symptome einer Zwangserkrankung
Patienten die unter einem zwanghaften Verhalten leiden sind sich permanent darüber im Klaren das ihr Verhalten sinnlos ist. Dennoch muss dem Zwang in vielen Fällen so lange nachgegangen werden, bis der Zwangspatient in der Lage ist sich anderen Dingen zu zuwenden. So wissen Menschen, die unter einem Waschzwang leiden und sich dabei über einen langen Zeitraum die Hände waschen müssen, dass ihre Hände im Grunde sauber sind. Trotzdem können sie sich nicht vom Waschbecken entfernen und anderen Dingen nachgehen. Hier reicht bereits ein kleiner Schlüsselreiz, wie beispielsweise Schmutz, aus, dass der Zwang erneut auftritt und dem nachgegangen werden muss.
Formen der Zwangserkrankungen
- Wasch- und Reinigungszwänge
- Kontrollzwänge
- Zähl- und Wiederholzwänge
- Sammelzwänge
- Ordnungszwänge
- Zwanghafte Langsamkeit
Therapie von Zwangserkrankungen
Eine Zwangserkrankung ist wie ein Teufelskreis aus dem der Patient von selbst keinen Ausweg mehr findet. Eine Verhaltenstherapie ist für die meisten Zwangspatienten der einzige Weg mehr über ihre Zwänge zu erfahren. Hier erfahren sie welche Faktoren den Zwang begünstigen und welche Maßnahmen dabei helfen können den Zwang in seiner Ausprägung zu reduzieren. Im Rahmen der Therapie werden Zwangspatienten beispielsweise bewusst den Zwangauslösenden Faktoren ausgesetzt. Dies geschieht jedoch in Situationen in denen dem zwanghaften Verhalten, das durch einen bestimmten Reiz ausgelöst wird, nicht nachgegangen werden kann.
Für viele Patienten wird nach einer Therapie ein normaler Tagesablauf überhaupt erst wieder möglich. Trotz Therapie verschwinden Zwangserkrankungen jedoch nie gänzlich.
